Vor der Abreise
Leitungswasser in England: trinkbar? Und Gesundheit
· Stand: August 2026
Kurz gesagt
Leitungswasser ist in ganz England trinkbar und wird strenger kontrolliert als in vielen anderen europäischen Ländern. Es schmeckt in Südengland oft kalkig, weil das Wasser dort sehr hart ist, das ist aber gesundheitlich unbedenklich. Nehmen Sie eine wiederbefüllbare Flasche mit, das spart Geld und Plastik.


Ist Leitungswasser in England trinkbar?
Ja, in ganz England und ohne Einschränkung. Das Trinkwasser wird vom Drinking Water Inspectorate überwacht, einer eigenständigen Behörde, und die Kontrollen sind strenger als in vielen anderen europäischen Ländern. Sie können Wasser aus jedem Hahn trinken, in London genauso wie in einem Cottage in Cornwall.
Das gilt auch für Restaurants: fragen Sie nach “tap water”, dann bekommen Sie ein Glas oder einen Krug Leitungswasser. Das ist völlig üblich und niemand schaut schief.
Verpflichtet dazu sind allerdings nur Betriebe mit Alkohollizenz, also Pubs und die meisten Restaurants. Ein Café ohne Lizenz muss Ihnen kein Wasser geben, und auch ein Pub darf für das Glas oder die Bedienung etwas berechnen. In der Praxis passiert das selten, aber ein Anspruch besteht nicht überall.
Warum schmeckt das Wasser anders?
Weil es in weiten Teilen Südenglands sehr hart ist. Der Untergrund besteht dort aus Kalk und Kreide, das Wasser nimmt entsprechend viel Calcium und Magnesium auf. Das merken Sie an drei Dingen: einem leicht mineralischen Geschmack, weißen Rändern im Wasserkocher, und daran, dass Seife schlechter schäumt.
Im Norden und in Wales ist das Wasser deutlich weicher, weil der Untergrund dort aus Granit und anderen harten Gesteinen besteht. Wer aus einer weichen Wasserregion kommt und in London Tee kocht, schmeckt den Unterschied sofort.
| Region | Wasserhärte | Merkbar an |
|---|---|---|
| London und Südosten | sehr hart | Kalk im Wasserkocher, mineralischer Geschmack |
| Südwesten, Cornwall | mittel bis weich | kaum Kalkbildung |
| Mittelengland | mittel | je nach Ort unterschiedlich |
| Norden, Lake District | weich | Seife schäumt stark, kein Kalk |
Gut zu wissen Nehmen Sie eine wiederbefüllbare Flasche mit. In vielen englischen Städten gibt es öffentliche Trinkwasserstationen, und über die Refill-Initiative bieten tausende Cafés, Läden und Museen kostenloses Nachfüllen an, erkennbar am blauen Aufkleber im Fenster.
Was hat es mit den zwei Wasserhähnen auf sich?
In älteren Häusern, Bed and Breakfasts und Pubs finden Sie oft zwei getrennte Hähne: einen für kaltes, einen für heißes Wasser. Das hat einen historischen Grund. Warmwasser wurde früher in einem offenen Tank auf dem Dachboden gespeichert, in dem sich Staub und gelegentlich auch tote Insekten sammelten. Es galt deshalb nicht als Trinkwasser, während Kaltwasser direkt aus der Hauptleitung kam.
Moderne Anlagen haben dieses Problem nicht mehr, aber die Bauweise hat überlebt. Praktisch heißt das: zum Trinken und Zähneputzen nehmen Sie den kalten Hahn. Zum Händewaschen behelfen sich Briten mit dem Stöpsel im Waschbecken.
Wie funktioniert die medizinische Versorgung?
Die Europäische Krankenversicherungskarte gilt in Großbritannien auch nach dem Brexit. Sie deckt medizinisch notwendige Behandlungen im staatlichen Gesundheitssystem NHS ab, zu denselben Bedingungen wie für Briten.
Zu denselben Bedingungen heißt allerdings auch: Sie zahlen, was Briten zahlen. Ein Rezept kostet in England £9,90 pro Medikament, unabhängig vom Preis des Mittels, und dieser Betrag ist für 2026 und 2027 eingefroren. Wer nach dem Arztbesuch mit drei Rezepten zur Apotheke geht, zahlt also rund £30 aus eigener Tasche, auch mit EHIC. In Schottland und Wales sind Rezepte dagegen kostenlos.
Zwei wichtige Einschränkungen: Der Rücktransport nach Deutschland ist nicht gedeckt, und private Kliniken rechnen ohnehin selbst ab. Eine Auslandsreisekrankenversicherung mit Rücktransport kostet für zwei Wochen wenig und schließt genau diese Lücke.
Für kleinere Beschwerden ist die erste Anlaufstelle die Apotheke, nicht der Arzt. Britische Pharmacists beraten ausführlich und dürfen bei vielen Alltagsbeschwerden selbst abgeben. Notruf ist 999, für nicht dringende medizinische Fragen wählen Sie 111.
Was gehört in die Reiseapotheke?
England ist kein Reiseziel mit besonderen Gesundheitsrisiken, es gibt keine Pflichtimpfungen und kein Malariarisiko. Der Inhalt richtet sich also nach dem, was Sie ohnehin brauchen:
- Dauermedikamente in ausreichender Menge für die gesamte Reise, plus einige Tage Reserve. Ein deutsches Rezept wird in britischen Apotheken nicht eingelöst.
- Bei verschreibungspflichtigen Präparaten eine ärztliche Bescheinigung, am besten auf Englisch, für den Fall einer Zollkontrolle.
- Schmerzmittel, Pflaster und ein Mittel gegen Magenverstimmung.
- Sonnenschutz. Das klingt bei englischem Wetter unnötig, aber an der Küste und bei Wanderungen im Lake District unterschätzen viele die UV-Belastung.
- Zeckenschutz, wenn Sie im Sommer in Wald und Heide wandern. Zecken kommen in England vor, Borreliose ebenfalls.
Was Sie nicht mitnehmen dürfen, sind Fleisch- und Milchprodukte als Proviant, siehe Zoll und Einfuhr. Für alles rund um die Bezahlung vor Ort hilft Bezahlen in England, und die Einreise selbst klären Sie über die ETA.
Häufige Fragen
Kann man Leitungswasser in England wirklich überall trinken?
Ja. Die Trinkwasserqualität in England und Wales wird vom Drinking Water Inspectorate überwacht und gehört zu den am strengsten kontrollierten in Europa. Das gilt für Städte ebenso wie für ländliche Gebiete.
Warum schmeckt das Wasser in Südengland anders?
Weil es sehr hart ist. Der Untergrund in Südengland besteht großflächig aus Kalk und Kreide, wodurch das Wasser viel Calcium und Magnesium enthält. Das ist gesundheitlich unbedenklich, macht sich aber im Geschmack und an Kalkrändern im Wasserkocher bemerkbar.
Warum haben ältere Häuser zwei getrennte Wasserhähne?
Historisch wurde Warmwasser in einem offenen Tank auf dem Dachboden gespeichert und galt deshalb nicht als trinkbar, Kaltwasser kam direkt aus der Leitung. Die Bauweise hat sich gehalten. In modernen Hotels und Neubauten finden Sie normale Mischbatterien.
Brauche ich als Deutscher eine Reiseversicherung für England?
Die Europäische Krankenversicherungskarte gilt in Großbritannien weiterhin für medizinisch notwendige Behandlungen. Sie deckt jedoch keinen Rücktransport nach Deutschland. Eine Auslandsreisekrankenversicherung mit Rücktransport ist deshalb weiterhin sinnvoll.
Bekomme ich in England Medikamente ohne Rezept?
Vieles ja, in Apotheken und Drogerien wie Boots oder Superdrug. Verschreibungspflichtige Medikamente brauchen ein britisches Rezept, ein deutsches wird nicht akzeptiert. Nehmen Sie Dauermedikamente in ausreichender Menge selbst mit.
