England, Süden
Stonehenge und Avebury: lohnt sich der Eintritt?
Unser Urteil
Stonehenge ist beeindruckend und gleichzeitig die am meisten enttäuschende Sehenswürdigkeit Englands, weil Sie auf einem Rundweg in Abstand bleiben. Wer zwischen Steinen stehen will, fährt 40 Min. weiter nach Avebury, wo das gratis geht.
Lohnt sich für
- Reisende auf dem Weg von London nach Bath oder Devon, denn es liegt ohnehin am Weg
- Wer sich für Vorgeschichte interessiert und die ganze Landschaft mitnimmt, nicht nur den Steinkreis
- Erstbesucher, die es einmal gesehen haben wollen, und das ist ein legitimer Grund
Eher nicht, wenn
- Sie erwarten, zwischen den Steinen zu stehen: das geht nur bei den gesondert buchbaren Sitzungen
- Sie reisen ohne Auto, denn öffentlich ist der Weg mühsam und die Landschaft drumherum unerreichbar
- Sie haben wenig Zeit im Südwesten, dann ist ein Tag in Bath oder an der Küste lohnender
Die ehrliche AlternativeAvebury allein. Der Steinkreis ist größer als der von Stonehenge, ein ganzes Dorf steht darin, der Zutritt kostet nichts, Sie dürfen die Steine anfassen, und bezahlt wird nur der Parkplatz.




Warum die meisten Besucher enttäuscht sind
Stonehenge hat ein Erwartungsproblem. Auf jedem Foto steht der Steinkreis frei in der Landschaft, und man sieht ihn aus einer Perspektive, die Sie als Besucher nie einnehmen werden.
In Wirklichkeit parken Sie an einem Besucherzentrum, fahren mit einem Shuttlebus oder laufen hin, und gehen dann auf einem abgesperrten Rundweg um die Anlage herum. An der engsten Stelle sind Sie nach Angaben von English Heritage rund 5 m von den Steinen entfernt, aber Sie gehen nicht hindurch und fassen nichts an. Das ist kein Skandal, sondern der Preis dafür, dass rund 1,4 Millionen Besucher pro Jahr den Boden nicht zertreten. Aber es ist eben nicht dasselbe wie zwischen den Steinen zu stehen.
Wer das doch will, braucht eine der gesondert buchbaren Sitzungen außerhalb der Öffnungszeiten. Die kosten ein Vielfaches, es passen nur gut fünfzig Menschen hinein, und sie sind Monate im Voraus weg.
Die eigentliche Entscheidung: Stonehenge oder Avebury
Vierzig Minuten nördlich liegt Avebury, und dort gilt das Gegenteil von allem, was oben steht.
| Stonehenge | Avebury | |
|---|---|---|
| Eintritt | rund £27,20 pro Erwachsenem | kostenlos, Parken £8 |
| Öffnungszeiten | feste Zeiten, Ticket vorab | Steinkreis von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang |
| Nähe zu den Steinen | Rundweg in Abstand | Sie gehen hindurch und dürfen sie anfassen |
| Größe des Kreises | rund 100 m Wallanlage | rund 330 m, der größte der Welt |
| Andrang | sehr hoch | überschaubar |
| Bekanntheit | weltweit | in Deutschland kaum |
Das liest sich wie eine klare Empfehlung gegen Stonehenge, und so ist es nicht ganz gemeint. Stonehenge ist präziser gebaut, die Steine sind bearbeitet statt roh gesetzt, und die Anlage ist als Bauwerk das eindrucksvollere. Nur bleiben Sie hinter dem Seil, während Sie in Avebury die Hand auflegen können.
Wenn Sie einen halben Tag haben, nehmen Sie Avebury. Wenn Sie einen ganzen Tag haben, nehmen Sie beide, und zwar in dieser Reihenfolge: erst Stonehenge am frühen Morgen, dann Avebury am Nachmittag, wenn Sie ohnehin Richtung Bath weiterfahren.
Wo das auf Ihrer Route liegt
Stonehenge liegt an der A303, der südlichen Verbindung von London Richtung Westen. Avebury liegt an der M4, der nördlichen. Das ist wichtiger als es klingt, denn die beiden Routen sind Alternativen und keine Rundfahrt.
- Fahren Sie von London nach Bath über die M4, kommen Sie an Avebury vorbei, kurz hinter Abfahrt 16, ohne Umweg.
- Nehmen Sie stattdessen die M3 und A303, kommen Sie an Stonehenge vorbei. Das sind rund 195 km statt 175, und mit Besichtigung ein halber Tag.
- Beides an einem Tag geht, kostet aber rund eine Stunde zusätzliche Fahrzeit über die Landstraßen dazwischen.
Auf der Südengland-Rundreise ist das genau die Entscheidung an Tag 4.
Die Landschaft ist die Sehenswürdigkeit
Der häufigste Planungsfehler ist, Stonehenge als einzelnen Programmpunkt zu behandeln: hinfahren, ansehen, weiterfahren. Dabei ist der Steinkreis nur der bekannteste Punkt einer vorgeschichtlichen Landschaft von rund 25 km Durchmesser, in der Grabhügel, Prozessionswege und Siedlungsreste zusammenhängen.
Wer sich einen Tag Zeit nimmt, sieht die Reihenfolge: in Durrington Walls wohnten die Menschen, in Woodhenge stand ein Bau aus Holz, und Stonehenge aus Stein war der Ort für die Toten. Diese Deutung ist nicht unumstritten, aber sie macht aus fünf Steinhaufen eine Geschichte.
Dafür brauchen Sie ein Auto. Zwischen den Orten fährt kein Bus, und die Wege sind Feldwege.
Wann Sie hinfahren sollten
Früh oder spät. Stonehenge ist zwischen 11 und 15 Uhr am vollsten, weil dann die Tagesausflüge aus London eintreffen. Wer als Erster da ist oder in der letzten Stunde kommt, hat einen deutlich anderen Ort vor sich. Achten Sie dabei auf den letzten Einlass: der ist um 14.30 Uhr, von Juni bis August um 16.30 Uhr.
Zur Sonnenwende im Juni und Dezember gibt es freien Zugang zum Steinkreis, dann allerdings mit mehreren tausend anderen Menschen. Das ist ein Ereignis, kein Besuch.
Im Winter lohnt Avebury besonders: kein Ticket, kein Zeitfenster, und der Kreis liegt oft im Nebel, was ihm gut steht. Rechnen Sie aber damit, dass es im Dezember gegen 16 Uhr dunkel ist und der Parkplatz um 18 Uhr schließt.
Die Sehenswürdigkeiten, einzeln bewertet
Unbedingt ansehenStonehenge
Erwachsene zahlen im Vorverkauf rund £27,20, Kinder von 5 bis 17 rund £17,20, unter fünf frei; wer im Vorverkauf bucht, spart bis zu 15 Prozent gegenüber der Kasse. Vom Besucherzentrum fährt ein inbegriffener Shuttlebus in 5 bis 10 Min. zum Steinkreis. Zu Fuß ist der ausgeschilderte Weg rund 4 km lang und dauert 25 bis 40 Min., also deutlich mehr als die Luftlinie vermuten lässt. Sie gehen auf einem Rundweg um die Anlage herum, nicht hinein.
Unbedingt ansehenAvebury
Der größte Steinkreis der Welt, mit einem Dorf, einer Straße und einem Pub mittendrin. Kein Eintritt und keine Absperrung: Sie laufen zwischen den Steinen hindurch, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Bezahlt wird nur der Parkplatz, £8 für den Tag und £5 ab 15 Uhr; Mitglieder von National Trust und English Heritage parken frei.
Wenn Zeit bleibtSalisbury Cathedral
Der höchste Kirchturm Großbritanniens, und im Kapitelhaus liegt eines von nur vier erhaltenen Originalen der Magna Carta von 1215. Eintritt £12,50 im Vorverkauf, £14,50 an der Kasse, Jugendliche von 12 bis 16 Jahren £8,50, erst unter zwölf frei. Sonntags öffnet die Kathedrale erst um 12.30 Uhr und das Kapitelhaus um 13 Uhr.
Unbedingt ansehenWest Kennet Long Barrow
Ein Grabhügel von rund 3650 vor Christus, in den Sie hineingehen dürfen. Kein Personal, kein Ticket, kein Zaun. Etwa 800 m bergauf über einen Feldweg vom Parkstreifen an der A4.
Wenn Zeit bleibtOld Sarum
Die ursprüngliche Stadt Salisbury auf einem Hügel, aufgegeben zugunsten der Lage im Tal. Der äußere eisenzeitliche Wall mit dem Blick über die Ebene ist frei zugänglich; für den inneren Bereich mit den Grundmauern der Kathedrale zahlen Erwachsene rund £7 bei English Heritage.
Wenn Zeit bleibtStourhead
Ein englischer Landschaftsgarten aus dem 18. Jahrhundert um einen künstlichen See, mit Tempeln und einer Palladiobrücke. Rund 45 Min. westlich, und ein völlig anderer Tag als die Steinkreise. Der Garten gehört dem National Trust und kostet Eintritt; den aktuellen Preis finden Sie auf deren Seite.
Was kaum jemand erwähnt
Die bekannten Orte stehen oben. Diese hier finden Sie in den meisten Reiseführern zuStonehenge und Avebury nicht, obwohl sie den Umweg wert sind.
Woodhenge und Durrington Walls
Drei Kilometer nordöstlich von Stonehenge lag die Siedlung der Menschen, die den Steinkreis gebaut haben. Woodhenge selbst ist heute mit Betonpfosten markiert, Durrington Walls ist ein riesiger Erdwall, den man kaum als solchen erkennt.
Warum kaum bekanntHier stand das Dorf, und Stonehenge war der Friedhof. Genau diese Verbindung erklärt die Anlage, und trotzdem fährt der Bus daran vorbei: es gibt kein Besucherzentrum, kein Ticket und nichts zu fotografieren.
West Kennet Long Barrow
Ein Ganggrab bei Avebury, in dem Sie aufrecht stehen können. Sie gehen durch einen Eingang zwischen zwei mannshohen Steinen in eine Kammer, die älter ist als die Pyramiden von Gizeh.
Warum kaum bekanntDie meisten Besucher von Avebury bleiben im Steinkreis und fahren wieder. Der Grabhügel liegt 800 m bergauf über einen Feldweg, und diese acht Minuten filtern fast alle heraus.
Silbury Hill
Der größte von Menschen aufgeschüttete vorgeschichtliche Hügel Europas, rund 30 m hoch, direkt an der A4 bei Avebury. Es gibt einen Aussichtspunkt, hinaufsteigen dürfen Sie nicht.
Warum kaum bekanntNiemand weiß, wofür er gebaut wurde: kein Grab, kein Tempel, keine Siedlung. Reisegruppen halten hier nicht, weil es nichts zu betreten gibt, und man fährt daran vorbei ohne zu begreifen, was man gerade gesehen hat.
Alle Unterkünfte in Stonehenge und Avebury
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