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Vor der Abreise

Wandern in England: wo Sie gehen dürfen und wo nicht

· Stand: September 2026

Kurz gesagt

Wandern in England funktioniert anders als in Deutschland. Die Wege führen über privates Land, und genau das ist erlaubt: ein Netz öffentlicher Wegerechte durchzieht Felder, Höfe und Weiden. Sie dürfen dort gehen, aber nur auf der Linie des Weges. Frei laufen dürfen Sie nur auf ausgewiesenem Open Access Land, und das sind lediglich 11 Prozent der Fläche. Die zwölf National Trails sind durchgehend markiert, allen voran der South West Coast Path mit 1.014 km.

Der Wasserfall Janets Foss in den Yorkshire Dales

Wandern in England ist großartig und funktioniert nach anderen Regeln als zu Hause. Der Unterschied ist nicht die Landschaft, sondern das Recht: Sie laufen über fremdes Land, und das ist ausdrücklich erlaubt. Ein dichtes Netz öffentlicher Wegerechte durchzieht Felder, Weiden und manchmal einen Bauernhof.

Es hat allerdings eine Grenze, an der deutsche Wanderer regelmäßig hängenbleiben.

Auf dem Weg, nicht über die Fläche

England kennt zwei verschiedene Dinge, die im Deutschen gern zu “Jedermannsrecht” verschmelzen und nicht dasselbe sind.

Public Rights of Way sind Wege über privates Land, auf denen die Öffentlichkeit gehen darf. Sie führen quer über Äcker, durch Viehweiden und über Zauntritte. Die Auflage: Sie bleiben auf der Linie des Weges und dürfen nicht über die Fläche ausschwärmen.

Open Access Land ist ausgewiesenes offenes Gelände, seit dem CROW Act von 2000: Berge, Moor, Heide und Allmende. Dort dürfen Sie sich frei bewegen, auch abseits von Wegen. Das klingt großzügig und ist begrenzt: Es sind rund 11 Prozent von England und Wales, und Acker, Wiesen und Wald gehören ausdrücklich nicht dazu.

Praktisch heißt das: In den Höhen des Lake District, im Peak District und auf Dartmoor laufen Sie frei. In den Cotswolds und überall auf Farmland bleiben Sie auf dem Pfad.

Der Countryside Code

Die offiziellen Regeln sind kurz und werden ernst genommen. Vier davon betreffen Sie direkt:

  • Tore lassen Sie, wie Sie sie vorfinden. Ein offenes Tor ist meist Absicht, damit Tiere ans Wasser kommen. Schließen Sie es nur, wenn es geschlossen war oder ein Schild es verlangt.
  • Auf dem markierten Pfad bleiben, auch wenn er schlammig ist. Das steht wörtlich so im Code. Wer außen herum geht, tritt die Ernte nieder.
  • Abstand zum Vieh. Kühe mit Kälbern sind unberechenbar; gehen Sie außen herum, wenn die Herde auf dem Weg steht, und nehmen Sie dabei ausnahmsweise den Umweg.
  • Müll nehmen Sie mit. Auch organischen.

Für Hunde gilt eine gesetzliche Verschärfung: Auf Open Access Land muss der Hund vom 1. März bis 31. Juli an die Leine, wegen der Bodenbrüter, und in der Nähe von Vieh sowie an der Küste ganzjährig. Mehr dazu unter mit dem Hund.

Der Hadrianswall bei Housesteads, einer der zwölf National Trails

Die National Trails

England hat zwölf durchgehend markierte Fernwege. Sie sind der einfachste Einstieg, weil die Wegführung eindeutig ist und man sich kaum verlaufen kann.

Weg Länge Wo
South West Coast Path 1.014 km Somerset um Cornwall herum bis Dorset
Pennine Way 431 km von Derbyshire bis zur schottischen Grenze
Cotswold Way 163 km Bath bis Chipping Campden
Hadrian’s Wall Path 135 km Wallsend bis Bowness-on-Solway

Kaum jemand läuft einen davon ganz. Üblich sind Etappen von einem Tag oder einer Woche, mit Gepäcktransport zwischen den Unterkünften.

Welcher Weg zu welcher Reise passt

  • Der Cotswold Way ist der zugänglichste. Er beginnt in Bath und endet in Chipping Campden, führt über sanfte Hügel und durch Dörfer, und Sie sind nie weit von einem Pub entfernt. Ideal für Tagesetappen aus einem festen Quartier.
  • Der South West Coast Path ist der spektakulärste und anstrengender, als seine Höhenprofile vermuten lassen: ständiges Auf und Ab an der Klippenkante. Der Abschnitt zwischen St Ives und Sennen in Cornwall gilt als der schönste.
  • Hadrian’s Wall Path verbindet Landschaft mit Geschichte und lässt sich in einer Woche gehen. Er läuft durch Northumberland, unser stillstes Reiseziel.
  • Der Pennine Way war Englands erster National Trail und ist bis heute der härteste. Moor, Nebel, Nässe. Nichts für den ersten Englandurlaub.

Wer keinen Fernweg will: In den Yorkshire Dales und im Peak District liegen Tagesrunden dichter beieinander als irgendwo sonst.

Wanderreise mit Gepäcktransport

Das ist in England ein eingespieltes System und der Grund, warum ein Fernweg auch ohne schweren Rucksack funktioniert.

So läuft es: Sie buchen die Unterkünfte entlang der Route, ein Dienst holt Ihr Gepäck morgens ab und stellt es abends an der nächsten Adresse ab. Sie gehen mit Tagesrucksack. Abgeholt wird meist ab 9.30 Uhr, geliefert vor 15 Uhr, mit Nachricht aufs Handy bei Abholung und Ankunft.

Am South West Coast Path beginnen die Preise bei rund £18 pro Tag, andere Anbieter nehmen etwa £30 für ein Gepäckstück und £35 für zwei. Die Saison läuft von März bis Oktober.

Zwei Wege, das zu buchen:

  • Selbst organisieren. Sie buchen Unterkünfte und Gepäcktransport getrennt. Günstiger und flexibler, verlangt aber, dass Sie die Etappen selbst zuschneiden und früh buchen, weil die Häuser an beliebten Abschnitten schnell voll sind.
  • Als Paket. Ein Veranstalter bucht Unterkünfte, Gepäcktransport, Karten und Wegbeschreibung zusammen und ist im Problemfall erreichbar. Teurer, dafür nehmen Sie keine Planung mit in den Urlaub.

Für einen ersten Fernweg in England ist das Paket die entspanntere Wahl, weil Sie die Etappenlängen noch nicht einschätzen können. Wer schon einmal dort gelaufen ist, spart mit der eigenen Buchung spürbar.

Zauntritte, Tore und wie Sie durchkommen

Eine Kleinigkeit, die den Unterschied zwischen einem deutschen und einem englischen Wanderweg gut zeigt: Wo bei uns ein Weg um eine Weide herumführt, geht er in England mitten hindurch, und die Umzäunung wird nicht geöffnet, sondern überstiegen.

  • Stile, der Zauntritt: ein paar Stufen über die Trockenmauer oder den Zaun. Die häufigste Form. Mit großem Rucksack oder Hund braucht es einen Moment.
  • Kissing gate, das Drehkreuztor: ein Tor in einem halbrunden Gehege, das Menschen durchlässt und Vieh nicht. Sie treten hinein, schwenken das Tor hinter sich, treten heraus.
  • Feldtore. Hier gilt die Regel aus dem Countryside Code: lassen, wie Sie es vorfinden.

Auf den Karten sind Zauntritte und Tore eingezeichnet, und das ist oft die zuverlässigste Orientierung: Wenn die Karte einen Zauntritt zeigt und Sie keinen sehen, sind Sie falsch abgebogen.

Der Kalksteinkessel von Malham Cove in den Yorkshire Dales

Karte, Schuhe, Wetter

Die Karte. Abseits der National Trails ist die Beschilderung sparsam, oft nur ein Holzpfeil mit der Aufschrift Public Footpath an einem Zauntritt. Die Ordnance-Survey-Karten im Maßstab 1:25.000 zeigen jedes Wegerecht; ohne so eine Karte oder die passende App laufen Sie an Abzweigungen vorbei.

Die Schuhe. Englische Wege sind nass, auch im Sommer und auch, wenn es gerade nicht regnet. Der Boden hält das Wasser, und über Weiden kommt Matsch dazu. Wasserdichte Schuhe sind hier keine Vorsichtsmaßnahme, sondern die Voraussetzung dafür, dass Sie auf dem Weg bleiben statt außen herum.

Das Wetter. Es schlägt schneller um als in den Mittelgebirgen, besonders auf den Höhen. Nehmen Sie eine Regenjacke mit, auch wenn es morgens gut aussieht, und rechnen Sie im Moor mit Nebel. Wann welcher Monat sich lohnt, steht unter beste Reisezeit.

Das Ribblehead-Viadukt der Settle-Carlisle-Strecke in den Yorkshire Dales

Wandern ohne Auto

Das funktioniert in England besser als in den meisten Ländern, weil die Bahn an einigen der schönsten Ausgangspunkte hält.

Die Settle-Carlisle-Strecke durch die Yorkshire Dales hält in Ribblehead, Horton-in-Ribblesdale und Dent, mitten im Wandergebiet. Im Peak District durchquert die Linie Manchester nach Sheffield den Park und hält in Edale, dem Startpunkt des Pennine Way. Welche Ziele sonst ohne Auto funktionieren, steht unter mit dem Zug durch England.

Häufige Fragen

Darf man in England über privates Land wandern?

Auf den öffentlichen Wegerechten ja, und das ist der Normalfall: Ein dichtes Netz von Public Footpaths führt über Felder, Weiden und manchmal mitten über einen Bauernhof. Sie dürfen dort gehen, müssen aber auf der Linie des Weges bleiben und dürfen nicht frei über die Fläche laufen.

Was ist Open Access Land?

Ausgewiesenes offenes Gelände, meist Berge, Moor, Heide und Allmende, auf dem Sie sich seit dem CROW Act von 2000 frei bewegen dürfen, nicht nur auf Wegen. Es umfasst allerdings nur rund 11 Prozent von England und Wales und schließt Acker, Wiesen und Wald ausdrücklich aus.

Wie lang ist der South West Coast Path?

630 Meilen oder rund 1.014 km, von Minehead in Somerset um die Südwestspitze herum bis Poole in Dorset. Er ist der längste markierte Fernweg Englands, und die meisten laufen einzelne Etappen statt des Ganzen.

Muss der Hund beim Wandern an die Leine?

Auf Open Access Land ist die Leine zwischen dem 1. März und dem 31. Juli gesetzlich vorgeschrieben, und in der Nähe von Vieh sowie an der Küste gilt sie ganzjährig. Sonst verlangt der Countryside Code, dass der Hund an der Leine oder in Sichtweite bleibt.

Darf man vom Weg abweichen, wenn er schlammig ist?

Nein. Der Countryside Code sagt ausdrücklich, dass Sie auf markierten Pfaden bleiben, auch wenn sie schlammig sind. Wer außen herum geht, tritt die Ernte nieder, und genau darum sind Wanderer bei Landwirten manchmal schlecht gelitten. Feste Schuhe lösen das Problem, ein Umweg nicht.

Wie funktioniert eine Wanderreise mit Gepäcktransport?

Sie buchen Unterkünfte entlang der Route, ein Dienst holt das Gepäck morgens ab 9.30 Uhr ab und liefert es vor 15 Uhr an der nächsten Adresse. Sie gehen mit Tagesrucksack. Am South West Coast Path beginnen die Preise bei rund £18 pro Tag; die Saison läuft von März bis Oktober.

Braucht man zum Wandern in England eine Karte?

Für alles abseits der National Trails ja. Das Wegenetz ist dicht und die Beschilderung sparsam, oft nur ein Holzpfeil mit der Aufschrift Public Footpath. Die Ordnance-Survey-Karten im Maßstab 1:25.000 zeigen jedes Wegerecht und jeden Zauntritt.

Quellen