Vor der Abreise
Camping und Wohnmobil in England: Regeln und Kosten
· Stand: September 2026
Kurz gesagt
Camping in England funktioniert anders als auf dem Kontinent. Wildcampen ist verboten, weil praktisch jeder Quadratmeter jemandem gehört, und ein Stellplatznetz nach deutschem oder französischem Muster gibt es nicht. Sie übernachten auf Campingplätzen, die mit Anschluss £30 bis £45 pro Nacht kosten. Die Ausnahme ist ein Netz von rund 2000 winzigen Plätzen, das nur Clubmitgliedern offensteht und die Nacht auf £10 bis £20 drückt.

Camping in England funktioniert anders, als es auf dem Kontinent gewohnt ist, und der Unterschied ist nicht die Ausstattung, sondern das Grundprinzip. In England gehört praktisch jeder Quadratmeter jemandem. Daraus folgt fast alles andere: kein Wildcampen, kein Stellplatznetz, und dafür ein Umweg über einen Verein, den kaum ein deutscher Reiseführer erwähnt.
Wie Sie mit dem Fahrzeug überhaupt hinkommen, steht im Vergleich der Anreisewege, und welche Fährrouten es gibt unter Fähre nach England.
Wildcampen ist verboten, mit genau einer Ausnahme
In England gibt es kein Jedermannsrecht. Ohne die Erlaubnis des Grundbesitzers dürfen Sie nirgends übernachten, auch nicht in einem Wald, auch nicht auf einer Wiese, die niemandem zu gehören scheint. Wer das ignoriert, wird meist nur weggeschickt, aber rechtlich steht er im Unrecht.
Die Ausnahme ist Dartmoor in Devon. Dort steht das Recht auf wildes Zelten im Gesetz, und der Supreme Court hat es im Mai 2025 nach einem langen Streit bestätigt. Dartmoor ist damit der einzige Ort in England, an dem Sie ohne zu fragen übernachten dürfen.
Der Punkt, an dem die meisten es falsch verstehen Das Dartmoor-Recht gilt ausdrücklich nur für das Zelt, das Sie selbst tragen: ein bis zwei Nächte, kleines Zelt, kein Feuer. Übernachten im Fahrzeug fällt nicht darunter. Wer mit dem Wohnmobil anreist und “Recht auf wildes Zelten” liest, zieht genau den falschen Schluss. Karten der zugelassenen Flächen gibt es beim Nationalpark.

England hat keine Stellplätze
Das ist die zweite Überraschung, und sie trifft Wohnmobilreisende härter als die erste. Ein Netz günstiger oder kostenloser Stellplätze am Ortsrand, wie es Deutschland mit dem Stellplatz und Frankreich mit der Aire kennt, gibt es in England schlicht nicht.
Öffentliche Parkplätze tragen stattdessen häufig ein Schild mit No Overnight Parking. Das ist keine Empfehlung. Auf Supermarktparkplätzen, an Aussichtspunkten und an Stränden wird nachts kontrolliert, gerade in Cornwall und im Lake District, wo der Druck durch Besucher am größten ist.
Praktisch heißt das: Sie planen jede Nacht. Spontan irgendwo stehen bleiben ist in England keine Option, sondern ein Risiko.
Was ein Platz kostet
| Art des Platzes | Preis pro Nacht 2026 |
|---|---|
| Gewerblicher Platz, Wohnmobil mit Strom | £30 bis £45 |
| Gewerblicher Platz, einfacher Stellplatz | £20 bis £35 |
| Nationalpark- oder Gemeindeplatz | £20 bis £35 |
| Kleiner Clubplatz (CL oder CS) | £10 bis £20 |
Die Spanne innerhalb einer Zeile kommt vor allem von der Jahreszeit. Juli und August liegen am oberen Ende, Mai, Juni und September deutlich darunter. Das deckt sich mit dem, was ohnehin für die beste Reisezeit spricht.
2000 kleine Plätze hinter einem Clubausweis
Das ist der Teil, der in deutschen Ratgebern fehlt, und für eine längere Reise ist er der wichtigste.
Neben den gewerblichen Plätzen gibt es in England ein zweites Netz: rund 2000 winzige Plätze auf Bauernhöfen, hinter Pubs und in Gärten, mit höchstens fünf Stellplätzen je Standort. Sie heißen je nach Club Certificated Location oder Certificated Site. Sie sind ruhiger, liegen oft schöner als die großen Plätze, und die Nacht kostet einen Bruchteil.
Der Haken: Diese Plätze sind Mitgliedern vorbehalten. Ohne Ausweis kommen Sie nicht darauf, und genau daran scheitern die meisten Besucher, weil sie gar nicht wissen, dass es das Netz gibt.
Zwei Clubs betreiben es, und für Reisende aus Deutschland unterscheiden sie sich deutlich:
- The Camping and Caravanning Club. Die digitale Auslandsmitgliedschaft kostet £56,95 im Jahr, gilt ein volles Jahr, schließt die Certificated Sites ein und ist online in wenigen Minuten abgeschlossen. Für die meisten die einfachere Wahl.
- Caravan and Motorhome Club. Ab £66 im Jahr, mit rund 2000 Certificated Locations. Zahlen können Sie allerdings nur per Kreditkarte oder per Lastschrift von einem britischen Konto, und Versicherungen, Pannenhilfe und die Rechtsberatung des Clubs stehen Auslandsmitgliedern nicht offen.
Ob sich das rechnet, ist eine kurze Rechnung: Der Unterschied zwischen einem gewerblichen Platz und einem Clubplatz liegt bei etwa £20 pro Nacht. Nach drei Nächten haben Sie den Beitrag heraus, danach sparen Sie.
Tempolimit: über 3,05 t gelten andere Zahlen
Hier steckt eine Falle, die aussieht wie eine Kleinigkeit und keine ist. Für Wohnmobile gelten in Großbritannien nicht dieselben Tempolimits wie für Pkw, sobald das Leergewicht 3,05 t übersteigt. Viele deutsche Reisemobile liegen darüber.
| bis 3,05 t | über 3,05 t | |
|---|---|---|
| Innerorts | 30 mph | 30 mph |
| Landstraße | 60 mph | 50 mph |
| Schnellstraße | 70 mph | 60 mph |
| Autobahn | 70 mph | 70 mph |
Maßgeblich ist das Leergewicht, nicht das zulässige Gesamtgewicht. In Wales gelten innerorts überall 20 mph statt 30 mph, was auch für Pkw gilt und im Text über den Unterschied zwischen England und Großbritannien steht.
Ein Wohnmobil über 3,5 t fällt in London außerdem nicht unter die ULEZ, sondern unter die strengere LEZ. Was das bedeutet, steht bei Maut und Umweltzonen.
Gas: die deutsche Flasche hilft Ihnen hier nicht
Das ist der Punkt, an dem eine gut geplante Reise trotzdem schiefgehen kann. Deutsche Gasflaschen können Sie in Großbritannien weder tauschen noch legal befüllen lassen. Ist Ihre Flasche auf halber Strecke leer, stehen Sie ohne Kochen, Heizung und Kühlschrank da.
Der Weg drumherum führt über die britischen Anbieter Calor und Flogas. Beide arbeiten mit Mietflaschen: Sie zahlen eine Kaution und die erste Füllung und tauschen die Flasche danach an Tankstellen, in Baumärkten und auf größeren Campingplätzen. Die verbreitete 13-kg-Propanflasche passt meist in deutsche Gaskästen, aber messen Sie vorher nach, denn Höhe und Gewicht unterscheiden sich.
Was Sie mitbringen müssen, ist der passende Adapter: In Großbritannien sitzt an der Propanflasche ein POL-Schraubanschluss mit Linksgewinde. Kaufen Sie das Adapterset vor der Abreise. Vor Ort danach zu suchen kostet einen halben Reisetag.
Wer nur zwei Wochen unterwegs ist und sparsam kocht, kommt meist mit einer vollen Flasche von zu Hause aus. Bei allem darüber sollten Sie den Wechsel einplanen.

Wohin Sie mit einem großen Fahrzeug besser nicht fahren
Wir raten auf dieser Seite ohnehin dazu, in England kleiner zu fahren als zu Hause. Mit einem Wohnmobil ist das keine Option, also verschiebt sich die Frage: welche Strecken lassen Sie aus?
- Cornwall abseits der Hauptstraßen. Viele Verbindungen sind einspurig, mit hohen Hecken links und rechts und Ausweichbuchten alle paar hundert Meter. Rückwärtsfahren gehört dazu. Mit sieben Metern ist das anstrengend, mit mehr kaum zu machen.
- Die Passstraßen im Lake District. Schmal und steil, teilweise mit Steigungen, die für ein beladenes Reisemobil grenzwertig sind. Die Hauptachsen um Windermere und Keswick sind dagegen unproblematisch.
- Die Dörfer in den Cotswolds. Das Problem ist hier nicht die Straße, sondern das Parken. Die schönen Orte haben kleine Parkplätze, und viele davon haben eine Höhenbegrenzung am Eingang.
Die Gegenstrategie ist dieselbe wie bei einem Mietwagen, nur konsequenter: Stellen Sie das Fahrzeug am Rand ab und gehen Sie die letzten Kilometer zu Fuß oder mit dem Bus.
Wer lieber ein festes Dach will, findet unter Cottage in England mieten die Alternative samt Kosten.
Wohnmobil mieten: hier oder dort?
Beides geht, und die Rechnung fällt je nach Reisedauer anders aus.
Mieten Sie in Deutschland, zahlen Sie die Überfahrt für ein hohes und langes Fahrzeug, was auf Fähre und Shuttle spürbar teurer ist als für einen Pkw. Dafür kennen Sie das Fahrzeug und fahren zu Hause los.
Mieten Sie in England, entfällt der Aufpreis für die Überfahrt, und Sie bekommen ein Fahrzeug mit dem Lenkrad auf der richtigen Seite, was auf schmalen Straßen ein echter Vorteil ist. Dafür kommen die Anreise per Flug oder Bahn und die üblichen Kosten einer Anmietung dazu.
Als Faustregel: unter zwei Wochen lohnt die Anmietung vor Ort selten, darüber schon.
Häufige Fragen
Darf man in England wild campen?
Nein, außer in Teilen von Dartmoor. In ganz England gehört der Boden jemandem, und ohne die Erlaubnis des Grundbesitzers ist Übernachten dort nicht erlaubt. Dartmoor ist der einzige Ort, an dem ein Recht darauf im Gesetz steht, und es gilt nur für das Zelt, das Sie selbst tragen.
Darf ich in Dartmoor im Wohnmobil übernachten?
Nein. Das Recht auf wildes Zelten in Dartmoor, das der Supreme Court im Mai 2025 bestätigt hat, deckt ausdrücklich nur das getragene Zelt für ein bis zwei Nächte. Übernachten im Fahrzeug fällt nicht darunter, egal ob Wohnmobil, Camper oder Auto.
Was kostet ein Campingplatz in England?
Auf einem gewerblichen Platz zahlen Sie 2026 für einen Wohnmobilstellplatz mit Strom rund £30 bis £45 pro Nacht, für einen einfachen Platz ohne Anschluss £20 bis £35. Auf den kleinen Clubplätzen sind es £10 bis £20, teilweise deutlich weniger.
Lohnt sich eine Mitgliedschaft im Camping and Caravanning Club?
Wenn Sie mehr als eine Woche unterwegs sind, meist ja. Die digitale Auslandsmitgliedschaft kostet £56,95 im Jahr und öffnet rund 2000 kleine Plätze, auf denen die Nacht £10 bis £20 kostet statt £30 bis £45. Der Unterschied trägt den Beitrag nach wenigen Nächten.
Gibt es in England Stellplätze wie in Deutschland?
Nein. Ein Netz kostenloser oder günstiger Wohnmobilstellplätze am Ortsrand, wie es Deutschland und Frankreich kennen, existiert in England nicht. Öffentliche Parkplätze tragen häufig das Schild No Overnight Parking, und daran sollten Sie sich halten.
Kann ich meine deutsche Gasflasche in England tauschen?
Nein. Deutsche Flaschen lassen sich in Großbritannien weder tauschen noch legal befüllen. Sie mieten stattdessen eine Flasche von Calor oder Flogas gegen Kaution und tauschen sie danach an Tankstellen und Baumärkten. Dafür brauchen Sie einen Adapter auf den britischen POL-Anschluss, den Sie vor der Abreise kaufen sollten.
Welches Tempolimit gilt für ein Wohnmobil in England?
Das hängt vom Leergewicht ab. Bis 3,05 t gelten die Pkw-Werte: 60 mph auf Landstraßen, 70 mph auf Schnellstraßen und Autobahnen. Darüber sind es nur 50 mph und 60 mph, auf der Autobahn weiterhin 70 mph. Innerorts gelten immer 30 mph.
