Vor der Abreise
Fähre nach England: alle Routen, und was nicht mehr fährt
· Stand: September 2026
Kurz gesagt
Aus Deutschland gibt es keine Fähre nach England, aus Dänemark seit 2014 nicht mehr und aus Belgien seit 2021 nicht mehr. Übrig sind zwei Länder: die Niederlande mit drei Nachtfähren nach Harwich, Hull und Newcastle, und Frankreich mit den kurzen Überfahrten ab Calais und Dunkerque sowie längeren Routen in den Südwesten. Welche zu Ihnen passt, hängt davon ab, ob Sie eine Nacht sparen oder eine Fahrt durch Frankreich.

Wer aus Deutschland mit der Fähre nach England will, sucht meist zuerst nach der falschen Verbindung. Deshalb steht die wichtigste Auskunft ganz oben: Aus Deutschland fährt keine Fähre nach England. Aus Dänemark seit 2014 nicht mehr, aus Belgien seit 2021 nicht mehr.
Übrig bleiben zwei Länder, aus denen Sie übersetzen können: die Niederlande und Frankreich. Welche Route sich lohnt, hängt von einer einzigen Frage ab, und die stellt sich nicht am Hafen, sondern auf der Landkarte.
Was es nicht mehr gibt
Drei Verbindungen, nach denen regelmäßig gesucht wird und die es nicht mehr gibt.
- Deutschland nach England. Die Verbindungen ab deutschen Häfen sind seit Jahren eingestellt. Der nächstgelegene Fährhafen ist Hoek van Holland.
- Dänemark nach England. DFDS stellte die Route Esbjerg nach Harwich am 28. September 2014 ein, die letzte Fährverbindung zwischen Großbritannien und Skandinavien. Die Passagierzahl war von 300.000 auf 80.000 gefallen.
- Belgien nach England. P&O Ferries beendete den Passagierdienst Zeebrugge nach Hull zum 1. Januar 2021. Wer aus Belgien kommt, fährt weiter nach Dunkerque, von Zeebrugge rund 1 Std. 30 Min.
Ältere Reiseführer und Foren nennen diese Routen noch. Wenn Sie irgendwo eine Fähre ab Hamburg oder Esbjerg angeboten sehen, ist das eine Frachtverbindung oder eine veraltete Seite.
Die Routen im Überblick
| Von | Nach | Dauer |
|---|---|---|
| Calais | Dover | 1 Std. 30 Min. |
| Dunkerque | Dover | rund 2 Std. |
| Hoek van Holland | Harwich | 6 bis 7 Std. am Tag, 8 bis 9 Std. nachts |
| Rotterdam | Hull | rund 11 Std. 30 Min., nachts |
| IJmuiden | Newcastle | rund 16 Std. 45 Min. |
| Roscoff | Plymouth | 6 bis 8 Std. |
Dazu kommt der Kanaltunnel ab Calais mit 35 Min., der keine Fähre ist, aber dieselbe Aufgabe erfüllt. Was ihn unterscheidet, steht im Vergleich der Anreisewege.
Aus den Niederlanden: drei Nachtfähren
Alle drei niederländischen Routen sind lange Überfahrten, und genau das ist ihr Sinn: Sie fahren abends los, schlafen an Bord und stehen morgens in England.
- Hoek van Holland nach Harwich, betrieben von Stena Line. Mit 6 bis 7 Std. am Tag die kürzeste der drei und die einzige, die auch als Tagesfahrt funktioniert. Harwich liegt nordöstlich von London.
- Rotterdam nach Hull, betrieben von P&O Ferries. Rund 11 Std. 30 Min. über Nacht, sieben bis acht Abfahrten pro Woche. Hull liegt in Yorkshire.
- IJmuiden bei Amsterdam nach Newcastle, betrieben von DFDS. Mit rund 16 Std. 45 Min. die längste, täglich. Newcastle liegt im Nordosten, kurz vor der schottischen Grenze.
Der Vorteil ist immer derselbe: Sie sparen eine Hotelübernachtung und die Fahrt quer durch England. Wer nach Yorkshire, Northumberland oder in den Lake District will, ist über Hull oder Newcastle deutlich schneller da als über Dover.
Der Nachteil ist der Preis: Eine Kabine kostet, und die Überfahrt ist teurer als die kurze Route. Rechnen Sie sie gegen eine Hotelnacht plus Sprit, dann sieht die Rechnung anders aus als auf den ersten Blick.
Aus Frankreich: kurz und häufig
Calais nach Dover ist mit 1 Std. 30 Min. die kürzeste Fährverbindung und die mit den meisten Abfahrten; hier fahren mehrere Reedereien. Dunkerque nach Dover dauert rund 2 Std. und ist oft günstiger, weil der Hafen weniger nachgefragt wird.
Beide setzen voraus, dass Sie erst durch Frankreich fahren. Ab Köln sind es rund 4 Std. 30 Min. bis Calais, ab München deutlich mehr.
Roscoff nach Plymouth ist der Sonderfall. Die Überfahrt dauert 6 bis 8 Std., aber Sie landen im Südwesten statt in Kent und sparen damit rund viereinhalb Stunden Fahrt durch England. Für Cornwall und Devon ist das die kürzeste Anreise, mit einem Haken bei der Frequenz: siehe Anreise nach Cornwall.
Kurze Überfahrt oder Nachtfähre?
Das ist die eigentliche Entscheidung, und sie hat wenig mit dem Schiff zu tun. Die Frage lautet: Wo in England wollen Sie hin?
- Süden und Mitte (London, Bath, die Cotswolds, Südküste): kurze Route über Calais oder Dunkerque, oder der Tunnel. Alles andere ist ein Umweg.
- Norden (Yorkshire, Lake District, Northumberland): Nachtfähre nach Hull oder Newcastle. Sie kommen dort an, statt einen halben Tag von Dover nach oben zu fahren.
- Südwesten (Devon, Cornwall): Roscoff nach Plymouth, wenn die Frequenz passt, sonst der Tunnel.
Wenn Sie stattdessen fliegen wollen, hilft Flughäfen in England bei der Wahl. Der zweite Faktor ist die Fahrt bis zum Hafen. Aus Nordrhein-Westfalen liegen Hoek van Holland und Rotterdam näher als Calais. Aus Süddeutschland ist Frankreich näher. Rechnen Sie die Anfahrt mit, sonst vergleichen Sie nur die halbe Strecke.
Das EES betrifft Sie nicht
In britischen Medien und deutschen Foren ist seit Monaten vom Entry/Exit System die Rede, dem neuen biometrischen Grenzsystem der EU. Es ist seit dem 10. April 2026 vollständig in Betrieb, und rund um Dover und den Kanaltunnel wird viel darüber geschrieben.
Für Sie ändert sich dadurch nichts. Die Europäische Kommission schreibt es unmissverständlich: Staatsangehörige von EU-Ländern sowie von Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz werden im EES nicht erfasst. Das System registriert Drittstaatsangehörige, die in den Schengen-Raum einreisen, also zum Beispiel Briten auf dem Weg nach Frankreich.
Warum das trotzdem überall steht: Für britische Reisende ist es neu und spürbar, und britische Berichterstattung wird im deutschen Netz übernommen, ohne dass jemand prüft, für wen die Regel gilt.
Was Sie stattdessen brauchen, ist die ETA für die Einreise nach Großbritannien. Die gilt für alle Wege, ob Fähre, Tunnel oder Flug, und wird vorab online beantragt: siehe ETA beantragen.
Am Hafen
Rechnen Sie bei den kurzen Routen mit mindestens 60 Min. vor Abfahrt, bei den Nachtfähren mit mehr; die Reederei nennt die genaue Zeit auf dem Ticket. Anders als beim Fliegen bleiben Sie im Auto, fahren durch die Kontrollen und dann auf das Schiff.
Kontrolliert wird an einem Punkt zweimal: französische Beamte prüfen die Ausreise, britische die Einreise, beides vor dem Einschiffen. Halten Sie Ausweis oder Reisepass für alle Mitfahrenden griffbereit, auch für Kinder.
Was an Bord zu beachten ist
Drei Dinge, die auf den Buchungsseiten leicht untergehen.
- Mit Hund geht es fast nur im Fahrzeug. Tiere reisen in der Regel im Auto auf dem Fahrzeugdeck oder in einem Zwinger, nicht mit Ihnen in den Aufenthaltsräumen. Was sonst gilt, steht unter mit dem Hund nach England.
- Am 25. Dezember fahren die Fähren nicht oder nur stark eingeschränkt, während der Tunnel durchfährt. Mehr dazu unter Weihnachten und Feiertage.
- Ein hohes oder langes Fahrzeug kostet mehr. Wohnmobile und Gespanne fallen in eine eigene Preisklasse, siehe Camping und Wohnmobil.
Und unabhängig von der Route: Die Einreiseformalitäten sind überall dieselben. Klären Sie vorher die ETA und prüfen Sie, was Sie mitnehmen dürfen.
Häufige Fragen
Gibt es eine Fähre von Deutschland nach England?
Nein. Die direkten Verbindungen ab deutschen Häfen sind seit Jahren eingestellt. Sie fahren über die Niederlande oder Frankreich, oder Sie nehmen den Kanaltunnel. Ab dem Ruhrgebiet ist Hoek van Holland der nächstgelegene Fährhafen.
Fährt eine Fähre von Dänemark nach England?
Nein, seit dem 28. September 2014 nicht mehr. Damals stellte DFDS die Route Esbjerg nach Harwich ein, die letzte Fährverbindung zwischen Großbritannien und Skandinavien. Grund waren steigende Kosten und ein Rückgang der Passagiere von 300.000 auf 80.000.
Fährt noch eine Fähre von Belgien nach England?
Für Passagiere nicht. P&O Ferries stellte den Passagierdienst Zeebrugge nach Hull zum 1. Januar 2021 ein. Wer aus Belgien kommt, fährt weiter nach Dunkerque oder Calais, das sind von Zeebrugge aus rund 1 Std. 30 Min.
Welche Fähre nach England ist die kürzeste?
Calais nach Dover mit 90 Min. Noch schneller ist nur der Kanaltunnel mit 35 Min. Beide setzen voraus, dass Sie erst durch Frankreich fahren; ab Köln sind das rund 4 Std. 30 Min. bis Calais.
Lohnt sich eine Nachtfähre aus den Niederlanden?
Wenn Sie nach Nordengland oder Schottland wollen, oft ja. Sie sparen eine Hotelübernachtung und die lange Fahrt quer durch England. Nach Südengland lohnt sie selten, weil Sie dann von Hull oder Newcastle wieder nach Süden fahren.
Muss ich mich für das EES registrieren?
Nein. Die Europäische Kommission stellt klar, dass Staatsangehörige von EU-Ländern sowie von Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz im Entry/Exit System nicht erfasst werden. Das System betrifft Drittstaatsangehörige, die in den Schengen-Raum einreisen. Für Großbritannien brauchen Sie stattdessen die ETA.
Kann man ohne Auto mit der Fähre nach England?
Auf den meisten Routen ja, als Fußpassagier oder mit dem Fahrrad. Die Bedingungen unterscheiden sich je Reederei, und mit Hund geht es fast nirgends: Tiere reisen in der Regel nur im Fahrzeug mit.
